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Jeden Dienstag gibt es in der Innenstadtgemeinde eine Suppe für Bedürftige. Die Besucherzahl steigt.

Christiane Tohsche gehört zu dem Kreis der Ehrenamtlichen, die die Suppen zubereiten und ausschenken
Itzehoe. Im 18. Jahrhundert wäre das, was in der St.-Laurentii-Kirche dienstags vor sich geht, ganz normal gewesen: Bedürftige bekommen in der Kirche eine Suppe. Heute, im Jahr 2012, ist es nicht mehr selbstverständlich, dass sich Kirchengemeinden für die Verköstigung der Bevölkerung zuständig fühlen. Pastor Christian Krause aus der Itzehoer Innenstadtgemeinde denkt da anders. Eine Suppe für Bedürftige, ist der Pastor überzeugt, sei heute immer noch genauso nötig wie zu Zeiten der Armenspeisung. Ein Jahr ist es jetzt her, dass er mit einem Team von Ehrenamtlichen die erste „Terrine am Turm“ im Turmeingang der St-Laurentii-Kirche ausschenkte. 15 Besucher kamen an diesem ersten Tag. Schon vier Wochen später waren es 42, jetzt sind es immer zwischen 60 und 70 Menschen, die sich die warme Mahlzeit schmecken lassen.
„Es haben immer wieder Leute im Gemeindebüro nach Essen oder finanziellen Hilfen gefragt“, berichtet Krause. Er entwickelte daraufhin das Angebot „Terrine am Turm“. „Die ersten Besucher haben wir von der örtlichen Tafel vermittelt bekommen“, erzählt der Pastor. Sie bekamen dort eine Einladung der Kirchengemeinde in die Hand gedrückt. Nach und nach erweiterten Krause und seine Helfer das Angebot, sodass heute auch Bedürftige, deren finanzielle Verhältnisse nicht von der Tafel kontrolliert werden, in der Kirche willkommen sind. „Wir unterhalten uns mit den Leuten beim ersten Besuch. Wer kein Geld hat, bekommt die Suppe gegen Einladung. Wer es sich leisten kann gibt für die Suppe eine Spende.“ Inzwischen, führt der Pastor aus, seien unter den Besuchern auch solche, die nicht aus finanzieller Not heraus kommen. Die Aussicht auf eine Mahlzeit in Gesellschaft führt auch viele Menschen in die Kirche, denen es nicht um den materiellen Wert des Essens geht. „Der Bedarf nach Seelsorge ist da“, sagt Pastor Krause. Er freut sich, dass nun auch Menschen, die mitunter seit Jahrzehnten keine Kirche mehr betreten haben, ein Angebot gemacht werden kann. Einige der Stammkunden hat er sogar schon in den Gottesdiensten gesehen.
Ingrid Pfeil ist einer der Ehrenamtlichen, die Berge von Gemüse schnippeln, kiloweise Kartoffeln schälen und sich um die Essensausgabe kümmern. Gemüsespenden bekommt sie frisch vom Markt und ein örtlicher Schlachter überlässt der Gemeinde Knochen und Rippchen zum Zubereiten der Brühe. „Ich koche gern und hier kann ich helfen“, sagt Pfeil. Viel zu tun ist vor allem am Monatsende, wenn bei vielen das Konto endgültig leer ist. „Da ist der Ansturm besonders groß“, sagt Pfeil.

