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15.12.11 [09:50 Uhr] Alter: 1
In einer anderen Welt

Pastor Balozi aus Kenia blickt zurück auf sein erstes Jahr Gemeindepfarramt.

Das Pastoren-Trio Thorsten Pachnicke (Ökumenische Arbeitsstelle im Kirchenkreis), Mruttu Bartholomayo Balozi (Ökumenischer Mitarbeiter aus Kenia) und Ralf Greßmann (Kirchengemeinde Münsterdorf) blickt zufrieden aus das erste Jahr ihres Partnerschaftsprojekts zurück.

Münsterdorf. So richtig angekommen ist er noch nicht. Ein Jahr ist es jetzt her, dass Pastor Mruttu Bartholomayo Balozi, ökumenischer Mitarbeiter aus der kenianischen Partnerkirche, frierend am Hamburger Flughafen stand. Inzwischen hat er viele Aufgaben in seiner neuen Kirchengemeinde Münsterdorf bei Itzehoe übernommen. Er gibt Konfirmandenunterricht, führt Gespräche mit Familien, engagiert sich in der Jugendarbeit, hält Predigten. Alle sind zufrieden mit ihm. Sein Deutsch wird von Tag zu Tag besser. Dennoch ist der kulturelle Unterschied so groß, dass Pastor Balozi auch nach einem Jahr noch mit vielen Dingen des deutschen Alltags fremdelt. So findet er das Essen nach wie vor gewöhnungsbedürftig. „Es ist alles so weichgekocht. In Kenia würde man denken, es ist für Babys oder alte Leute ohne Zähne“. Und Brot zum Abendessen sei zwar lecker, aber doch ungewohnt. „Spätestens nachts wache ich auf, weil ich Hunger habe“. Zu Hause gibt es abends sehr reichhaltiges warmes Essen. „Ich bin einfach in einer anderen Welt“, stellt 30-jährige fest. Auch an die Kälte habe er sich noch nicht gewöhnt – die Kälte, selbst wenn die Sonne scheint.
Begeistert ist Balozi hingegen von der freundlichen Aufnahme in die Gemeinde. „Ich habe viele Einladungen bekommen, alle sind sehr nett zu mir und interessieren sich für mich“. Vorbehalte gegen den weitgereisten Fremden gebe es keine. Ob das so bleibt, wenn Balozi in den beiden kommenden Jahren als vollwertiger Pastor inklusive Trauerbegleitung, Seelsorge und anderen Gebieten mit hohen kulturellem und sprachlichen Kompetenzen arbeitet, bleibt abzuwarten, sagt Gemeindepastor Ralf Greßmann. „Es läuft bisher sehr gut, da Pastor Balozi mit seinem Auftreten und seiner Ausstrahlung viel erreicht. Doch die Anforderungen an ihn sind gerade sprachlich sehr hoch.“ Die erste Hürde, einen Gottesdienst allein zu gestalten und zu leiten, habe er jedoch vor zwei Monaten mit Bravour gemeistert. Auch das Gemeindeleben und die Rolle des Pastors in Deutschland unterscheiden sich maßgeblich von dem, wie es der kenianische Theologe kennt. „Bei mir zu Hause ist der Pastor der König der Gemeinde“, erläutert Balozi. Es sei normal, dass der Pastor nachfragt, wenn jemand nicht zum Gottesdienst erschienen ist und dieser sich dann dafür rechtfertigen müsse. In Münsterdorf sei das Verhältnis zur Gemeinde auf Augenhöhe – etwas ganz Neues für ihn.
Auch Greßmann, seit mehr als 20 Jahren Pastor in Gemeinde Münsterdorf, hat einige Dinge ganz neu gelernt. „Für mich ist der Aufenthalt von Pastor Balozi ein Geschenk“, sagt Greßmann. Er habe als Pastor auf einer Einzelpfarrstelle nun die Gelegenheit, den Blick ganz neu auf die eigene Gemeinde und das eigene Tun zu lenken. „So bitten wir jetzt beim Tauferinnerungsgottesdienst die Familien nach vorn“, führt Greßmann aus. „In Kenia ist das ganz normal, habe ich gelernt.“ Die Feier der Goldenen Konfirmation hingegen nimmt Pastor Balozi in zwei Jahren als Anregung mit in seine Heimat.
„In der Gemeinde ist viel in Bewegung gekommern“ stellt Thorsten Pachnicke, Ökumenepastor  für den Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf, fest. Der Gast aus der Ferne gebe immer wieder Anlass zu ganz neuen Themen. „Die Gemeinde war vorher schon sehr aktiv, hat aber durch Pastor Balozi ein Fenster in die Welt bekommen."

Kategorie: Aus den Gemeinden
Von: Natalie Lux