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15.12.11 [09:42 Uhr] Alter: 1
Aus einer anderen Welt

Pastor Jäger kommt nach fünf Jahren in Papua-Neuguinea in die Gemeinde Barmstedt

Pastor Thorsten Jäger in seiner neuen Kirche in Sparrieshoop.

Sparrieshoop. Als Thorsten Jäger zum ersten Mal die kleine Kirche in Sparrieshoop betrat, fühlte sich das angenehm vertraut und zugleich seltsam fremd an. Nach fünf Jahren als Pastor im pazifischen Inselstaat Papua-Neuguinea ist er wieder zu Hause, aber doch irgendwie ganz neu hier. Er ist nicht mehr der weiße Missionar aus Deutschland. Einer, der schon rein optisch auffällt, noch bevor er etwas Auffälliges getan oder gesagt hat. Im deutschen Straßenbild ist er einer unter vielen. In der Kirchengemeinde Barmstedt ist der neue Gemeindepastor des Bezirks West zwar mit Freude empfangen worden – aber doch ein Pastor neben den anderen. „Es ist schon seltsam, nicht überall angestarrt zu werden“, sagt der 36-Jährige, der gleich nach dem Vikariat nach Papua-Neuguinea ging, um als Leiter eines theologischen Ausbildungszentrums zu arbeiten. In einem Land, in dem mehr als 70 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben, fällt ein Mann mit Studium aus dem Rahmen – in Deutschland ist das weniger ausgefallen. Ein Pastor sei zudem in dem Inselstaat eine Respektsperson, führt Jäger aus. In Deutschland dagegen ist das Gemeindeleben weniger hierarchisch geprägt. Auch die beiden Töchter des Pastors waren es gewohnt, mit ihren blonden langen Haaren, dem exotisch hellen Aussehen und nicht zuletzt als Pastorentöchter aufzufallen. „Hier war es erstmal ein Schock für die beiden, keinen besonderen Status mehr zu haben“, erläutert Jäger.
Wenn Thorsten Jäger jedoch Gespräche mit Gemeindemitgliedern führt, fällt alles Fremde von ihm ab. Er fühlt sich, als sei er nie weg gewesen. Die Sorgen, die man hierzulande hat, die Themen, die die Menschen bewegen – all das bedarf keiner großen Erklärungen. Er versteht es eben. Vieles ist selbstverständlich. „Diesen Stand habe ich in Papua-Neuguinea nie erreicht“, gibt der 36-Jährige zu. Zwar sei ihm die Kultur dort irgendwann bekannt gewesen und er habe sich in die Themen der Menschen einfinden können. „Aber es waren nie meine Themen. Ich bin nie einer von ihnen gewesen“. Es sei schon eine gewisse Erleichterung, sich wieder mittendrin in einer Gesellschaft zu befinden.
Ein Jahr lang, so sagen Ökumene-Experten, brauche man, um zu Hause wieder fest zu verwurzeln. Pastor Jäger ist nun einige Monate da, wurde vor drei Wochen offiziell in sein Amt eingeführt und ist schon fleißig mit dem Gemeindeaufbau beschäftigt. „Hier bin ich ein klassischer Gemeindepastor, das genieße ich“, sagt er. Nur die vielen Verwaltungsarbeiten genießt er nicht sonderlich. „Da muss ich mich erst wieder eingewöhnen“, sagt der Pastor. „Und auch wieder das Tempo annehmen, das hier vorherrscht.

 

Kategorie: Aus den Gemeinden
Von: Natalie Lux