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Der 29. Januar ist der letzte Sonntag im Weihnachtsfestkreis. Das ist schon ungewohnt, wo doch für die meisten Menschen spätestens mit dem 6. Januar - dem Dreikönigsfest - Weihnachten vorbei ist.
Ungewohnt ist vieles, was mit Weihnachten zu tun hat. Denn Gott kommt nicht als großer König mit einem Heer von Ministern zu uns in die Welt. Minister, die uns dann jeweils Aufträge geben, damit wir wissen, was wir für das Reich Gottes tun sollen. Gott kommt als bedürftiges Kind in unsere Welt. Das ist ein Perspektivwechsel. Nicht Autorität und Macht soll unser Handeln bestimmen, sondern eher die Liebe zum Kind - und ich ergänze die Liebe zu unserem Mitmenschen. Was bedeutet das für das vor uns liegende Jahr und für unsere Zukunft allgemein?
Wenn ich dabei das zurückliegende Jahr betrachte, dann haben anfangs der Tsunami in Japan und die damit verbundene Atomkatastrophe in Fukushima den Blick für ökologische Probleme etwas geschärft. Anschließend wurden die Medien beherrscht von Themen wie Finanzkrise, Bankenkrise und Eurokrise.
Es ging dabei weniger um hungernde Menschen. Der andere Blick auf die Ärmsten der Armen, der Blick von Weihnachten spielte in unserem Alltag kaum eine Rolle. Dafür befinden wir uns in einer gefährlichen Situation, wenn Staaten sich über die Maßen verschulden können, wenn Hedgefonds als Casinospiele von Millionären Firmen oder Staaten in Krisen stürzen können, wenn Ratingagenturen mit ihren Einschätzungen Politik machen.
Mir will nicht in den Kopf, wie es möglich ist, dass Millionäre oder Börsianer es schaffen, Finanzkrisen zu entwickeln und sie sich dabei selbst noch weiter bereichern während Politiker hilflos eine Rettungsmaßnahme nach der anderen aus Steuermitteln auf den Weg bringen. Viele Menschen wissen, dass ein unbeschränktes Wachstum in der Gesellschaft nicht möglich ist, weil die Ressourcen begrenzt sind und die Umwelt auch nur begrenzt belastbar ist. Warum gibt es eigentlich keine Obergrenze für privates Vermögen, solange andere Menschen hungern und die Umwelt bedroht ist?
Meiner Überzeugung nach können wir uns die Illusion einer freien Marktwirtschaft nicht leisten, wenn die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander geht und Gottes Schöpfung gefährdet wird. Es geht darum, dass wir alle in der Gesellschaft über kurzfristige Egoismen hinweg Verantwortung wahrnehmen - als Bürger dieser Gesellschaft. Gold, Weihrauch und Myrrhe schenkten die Weisen dem Kind: Ich übersetze dies mit Gerechtigkeit, Frieden und Gesundheit. Mit diesem Blick sollten wir unser Handeln beurteilen. In diesem Sinn wünsche ich uns eine gesegnete Zukunft
Rainer Jungnickel, Pastor für Diakonische Gemeindearbeit

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